Wer ist hier der Feind?

Wer ist hier der Feind?

20.06.2018

Auch dieses Jahr bin ich für einen weiteren Einsatz in der ChemChem Lodge in Tansania für die Ausbildung der Mitarbeitenden im Bereich Service und Auftreten. Natürlich darf neben der Arbeit auch der Sport nicht zu kurz kommen. So hatte ich mich heute früh mit Arridi, einem Masai, zum Joggen verabredet. Als ich im Trainingstenue aus dem Zelt trat – bereit gleich loszulaufen – konnte ich meinen Augen kaum trauen: Arridi wartete mit dem Guide Reuben und Auto auf mich.

 

«Ist es wegen den Tieren zu gefährlich, so dass wir mit dem Auto an den See fahren müssen?» fragte ich Reuben etwas verunsichert. Denn zum See führt ein Weg, auf welchem ich abends öfters spazieren gehe.

 

«Nein, die Tiere sind nicht gefährlich für dich, du bist gefährlich für die Tiere!», war seine überraschende Antwort. ??? Wie bitte, ich soll gefährlich sein für ein Gnu oder Zebra? Für einen kurzen Augenblick verstand ich die Welt nicht mehr, bis Reuben mich aufgeklärt hat.

 

Aus meiner Sicht sind die wilden Tiere überlegener. Einerseits weil sie in der Überzahl sind und andererseits, weil sie viel grösser und stärker sind als ich. Doch für diese Tiere sehen Jogger aufgrund derer Geschwindigkeit aus wie Jäger, sprich Feinde. Sie bekommen Angst und werden hektisch.

 

Was bedeutet diese Erkenntnis für den Alltag?

 

Perspektive wechseln! Und zwar immer wieder. Bevor sie in eine Verhandlung, ein Gespräch gehen und auch während des Gesprächs. Überlegen Sie sich, welche Ängste und Gefühle ihre Strategie beim Gegenüber auslösen könnten. Wieso ist die Stimmung plötzlich gekippt? Warum verschliesst er sich jetzt?

Stellen Sie sich in die Schuhe des Gegenübers und versuchen Sie seine Bedürfnisse zu erkennen und ihn zu verstehen. Das hilft Ihnen, die richtigen Argumente zu finden und mit der passenden Taktik elegant ans Ziel zu kommen.

 

Diese Vorgehensweise hilft Ihnen auch, wenn Sie sich vor Gesprächspartnern fürchten, Ihnen gewisse Situationen unangenehm sind. Fragen Sie sich im Vorfeld: Was macht diese Person für mich so übermächtig? Wieso fühle ich mich unterlegen, dieser Situation nicht gewachsen? Versuchen Sie auch hier, sich wohlwollend in die Schuhe des Gegenübers zu stellen und schon kommen Sie mit ihm auf Augenhöhe. Was könnten seine Ängste sein? Was die Gründe für sein forsches Auftreten?

 

Also; immer zuerst kurz innehalten bevor Sie loslaufen. Sie ersparen sich viele Missverständnisse.

 

PS: Arridi lief übrigens tatsächlich mit diesem Schuhwerk. Und zwar einiges leichtfüssiger als ich mit meinen High-Tech-Laufschuhen. 



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